Im Rahmen der Präventionsveranstaltung „Nichtrauchen ist cool“ wurden Mitte September 2025 in Greifswald und Rostock Schüler der siebten und achten Klassen über die Gefahren des Rauchens und das Krebsrisiko aufgeklärt. Die vom CCC-MV organisierte Veranstaltung verfolgte das Ziel, Jugendliche frühzeitig für die gesundheitlichen Folgen des Rauchens zu sensibilisieren und ihnen Alternativen zu riskantem Verhalten aufzuzeigen. Unsere Redaktion hat zwei Tage in Rostock begleitet.
Der erste Tag begann mit einem interaktiven Einstieg: Die Referentin Dr. Seifert forderte die Schüler auf, anonym über das Handy an einem kurzen Quiz teilzunehmen. Auf die Frage, ob sie schon einmal geraucht hätten, reagierte die Mehrheit mit Nein. Doch schnell wurde deutlich, dass es um mehr ging als einfache Antworten. In ihrem Vortrag betonte Seifert, dass keine Form des Rauchens harmlos sei – weder klassische Zigaretten noch moderne Alternativen. Sie zeigte eindrückliche Bilder von Krebserkrankungen, die sichtbaren Folgen des Rauchens, und stieß damit bei vielen im Publikum auf sichtbares Unbehagen. Ein Film über eine Lungenspiegelung wurde mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Manche schauten gebannt, andere wandten sich ab. Im Anschluss betrat ein Lungenkrebspatient den Hörsaal. Er erzählte offen von seiner Erkrankung, die ihn im hohen Alter traf, nachdem er jahrzehntelang geraucht hatte. Begonnen hatte er bereits mit 14 Jahren. Heute bekommt er Chemotherapie, kämpft sich durch den Alltag und will trotz der Schwere der Diagnose nicht aufgeben. Besonders bewegend war seine Ehrlichkeit: Auf die Frage eines Schülers, ob er noch rauche, antwortete er mit Ja. Er versuche zwar aufzuhören, aber es sei schwer. Der Patient schilderte, wie stark der Gruppenzwang in seiner Jugend war, und dass auch er damals nicht geglaubt habe, je selbst zu erkranken. Die Jugendlichen zeigten großes Interesse, hörten aufmerksam zu und stellten viele Fragen. Der Applaus am Ende zeigte, wie sehr die persönliche Geschichte bewegt hatte.
Am zweiten Tag kamen neue Schülergruppen und andere Referenten zu Wort. Auch hier begann der Tag mit einem kurzen Quiz, das erneut bestätigte: Die Mehrheit der Jugendlichen raucht nicht. Professor Ebersdobler und Frau Paulokat übernahmen die inhaltliche Gestaltung. Besonders eindrucksvoll war die Darstellung der Funktion des Kehlkopfs, unterstützt durch einen Film, der den Vorgang des Schluckens und Atmens anschaulich machte. Es ging nicht nur um medizinische Fakten, sondern auch um den Blick auf moderne Trends wie das Dampfen: E-Zigaretten seien keineswegs harmlos, wurde betont, sondern sowohl gesundheitlich riskant als auch eine zunehmende Belastung für die Umwelt – vor allem durch die Akkus von Einwegprodukten. Die Reaktionen der Jugendlichen auf die gezeigten medizinischen Bilder zeigten, dass die Botschaft deutlich ankam. Im Anschluss berichtete ein zweiter Patient, diesmal jemand, der an Kehlkopfkrebs erkrankt war und sich einer vollständigen Kehlkopfentfernung unterziehen musste. Er sprach mithilfe einer Stimmprothese und erzählte, wie die ersten Symptome auftraten – Heiserkeit, Schluckbeschwerden –, und wie sich sein Leben seit der Diagnose verändert hat. Auch er hatte früh mit dem Rauchen begonnen. Trotz schwerer Eingriffe und Folgen betonte er, dass er sein Leben weiterführt und optimistisch bleibt. Zuletzt habe er sogar eine Kreuzfahrt unternommen. Wieder stellten Schüler aber auch ein Lehrer Fragen, zum Beispiel, in welchem Alter Kehlkopfkrebs am häufigsten auftrete. Die Antwort: Die Spannbreite ist groß – manche Patienten sind bereits sehr alt, andere noch keine 40.
Die Veranstaltungen hinterließen bei vielen einen bleibenden Eindruck. Besonders die persönlichen Schilderungen der Patienten machten das Thema Krebs greifbar und emotional nachvollziehbar. In einem Bundesland wie Mecklenburg-Vorpommern, in dem es besonders viele Neuerkrankungen im Bereich von Mund-, Rachen- und Kehlkopfkrebs gibt, ist eine solche Aufklärungsarbeit von großer Bedeutung. Durch die Mischung aus medizinischem Wissen, persönlichen Geschichten und offenem Austausch wurde das Thema Rauchen auf eine Weise vermittelt, die aufrüttelt und hoffentlich zum Nachdenken anregt.
*Anmerkung: aus datenrechtlichen Gründen werden die Namen der Patienten hier nicht genannt.