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Erfolgreicher Darmkrebstag 2025 an der Universitätsmedizin Rostock

Großes Interesse und wertvolle Impulse: Der 9. Patiententag „Darmkrebs“ an der Universitätsmedizin Rostock bot auch in diesem Jahr wieder eine gelungene Mischung aus Information, Austausch und persönlicher Begegnung.

Flyer zum Patiententag "Darmkrebs"
(pdf, 750 KB)

 

Am 23. September 2025 fanden sich zahlreiche Patienten, Angehörige sowie Fachleute im doc(k)seven zusammen, um sich über die neuesten Entwicklungen in der Behandlung von Darmkrebs und dessen Folgeerscheinungen auszutauschen.

Im Mittelpunkt standen aktuelle Therapieansätze zur Behandlung von Metastasen: PD Dr. med. Dr. rer. nat. H. Gläser berichtete über vielversprechende neue Medikamente. So können beispielsweise sogenannte Immuncheckpoint-Inhibitoren eingesetzt werden, wenn der Darmkrebs aufgrund von DNA-Schäden entstanden ist. Dabei handelt es sich um Wirkstoffe, die bestimmte Eiweiße auf der Oberfläche von Immun- oder Tumorzellen blockieren. Sie dienen normalerweise dazu, die Aktivität des Immunsystems zu regulieren. Tumorzellen nutzen den Mechanismen jedoch, um so dem Immunsystem zu entgehen. Die Medikamente verhindern diese Blockade und ermöglichen es den Immunzellen (T-Zellen), Tumorzellen wieder gezielt anzugreifen. Dadurch wird die körpereigene Immunabwehr gegen den Krebs gestärkt. 

Um die bestmögliche Behandlung bei fortgeschrittenem Darmkrebs (metastasiertes kolorektales Karzinom) auszuwählen, ist es heute wichtig, die Tumorprobe molekularbiologisch zu untersuchen. Von besonderer Bedeutung ist die Untersuchung der RAS-Gene, denn nur, wenn diese nicht mutiert sind, können bestimmte Medikamente sinnvoll eingesetzt werden. Wenn die Mutation BRAF-V600E vorliegt, kann eine Therapie aus zwei Medikamenten (Encorafenib und Cetuximab) eingesetzt werden. Diese stoppen zum einen ein inneres Signal im Tumor, das Wachstum fördert und hemmen zum anderen den Empfang von Signalen an der Zelloberfläche. Wenn beide Medikamente zusammen eingesetzt werden, kann das Tumorwachstum damit effektiver gestoppt werden, weil zwei wichtige „Wachstumsschalter“ gleichzeitig ausgeschaltet sind.

Neben der medikamentösen Behandlung konzentrierten sich Prof. Dr. med. habil. Witte und Dr. med. S. Förster in ihren Vorträgen auf chirurgische Möglichkeiten bei der Behandlung von Leber- und Lungenmetastasen. Dabei wurde auch das Für und Wider der offenen Operationstechnik erörtert: Sie ermöglicht es, durch Abtasten der Lunge kleine Knötchen zu finden, die zuvor in der Computertomographie nicht sichtbar waren. Heutzutage wird jedoch meist die minimalinvasive Schlüssellochtechnik mit Kamerasystemen bevorzugt, da sie kleinere Schnitte erlaubt. Im Anschluss wurden beeindruckende Videos von Operationen mit dem Da-Vinci Robotersystem gezeigt, der an der Allgemeinchirurgie rund dreimal pro Woche zum Einsatz kommt. Viele Teilnehmer zeigten sich von den Möglichkeiten der roboterassistierten Chirurgie sehr begeistert.

Später berichtete Frau Jopp von der Firma PupliCare über die Lebensqualität nach Mastdarmoperationen und stellte die Irrigationsbehandlung (Darmspülung) vor. Häufig ist es so, dass Menschen nach dieser Operation eine künstliche Darmöffnung (Stoma) haben. Diese kann nach einer Zeit zurückverlegt werden, wenn der Schließmuskel und der Darm gesund sind. Für Menschen mit einer Rückverlegung können Hilfsmittel für eine Darmspülung zu Hause helfen, die Kontrolle über den Stuhlgang zurückzugewinnen, denn oft braucht der Darm Monate, um wieder normal zu arbeiten. Stuhlinkontinenz, Durchfall und Verstopfung können auftreten, was sogar dazu führen kann, dass Betroffene das Haus nicht mehr verlassen möchten. Eine Irrigationsbehandlung kann dann sinnvoll sein um ein selbstbestimmtes Leben zurückzugewinnen.

Am Ende der Veranstaltung informierte die Krebsgesellschaft über ihre vielfältigen Unterstützungsangebote für Betroffene und Angehörige. Zudem berichtete Herr Voss, Gruppenleiter der Selbsthilfegruppe für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs sowie deren Angehörigen (Deutsche ILCO e.V.), über die Möglichkeiten an der Gruppe teilzunehmen. Sie trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat in der Universitätsmedizin Rostock und bietet Betroffenen und Angehörigen wertvolle Unterstützung und Austauschmöglichkeiten.

Der Patiententag bot neben den fachlichen Vorträgen auch ausreichend Raum für einen Austausch mit den Experten. Wir freuen uns bereits auf den nächsten Darmkrebstag!