Krebsforschung braucht Zusammenarbeit
Der World Cancer Research Day macht seit 2016 weltweit darauf aufmerksam, wie wichtig Forschung für die Prävention, Früherkennung und Behandlung von Krebs ist. Zum zehnjährigen Bestehen steht der Tag 2026 unter dem Motto „Advancing Cancer Research Together“ – Krebsforschung gemeinsam voranbringen.
Das Comprehensive Cancer Center M-V verbindet als onkologisches Exzellenzzentrum des Landes die Universitätsmedizinen Rostock und Greifswald und damit unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen und die Erfahrungen von Patientinnen und Patienten. Drei Forschungsprofessuren prägen dieses Profil in besonderer Weise.
Lebensqualität als wissenschaftliches Ergebnis
Ob eine Krebstherapie erfolgreich ist, zeigt sich nicht nur an Laborwerten, Bildgebung oder Überlebenszeiten. Ebenso wichtig ist, wie sich die Erkrankung und ihre Behandlung auf den körperlichen, seelischen und sozialen Alltag der Betroffenen auswirken. Die Professur für Lebensqualität in der Onkologie unter Leitung von Prof. Dr. Susanne Singer untersucht deshalb, wie es Patientinnen und Patienten während und nach ihrer Behandlung geht. Dabei geht es beispielsweise um Erschöpfung, Schmerzen, psychische Belastungen, soziale Beziehungen oder Einschränkungen im Alltag.
Diese Erfahrungen werden mit wissenschaftlich entwickelten und geprüften Fragebögen systematisch erfasst. So lässt sich erkennen, an welchen Stellen Medikamente, Operationsmethoden und Versorgungsabläufe verbessert werden können. Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung und internationalen Validierung solcher Instrumente.
Die Rostocker Arbeitsgruppe ist dafür eng mit internationalen Forschungsnetzwerken verbunden. Susanne Singer tritt beim Herbsttreffen 2026 in Zagreb ihre Funktion als Chair-Elect der Quality of Life Group der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) an. Die Gruppe entwickelt Verfahren, mit denen die Lebensqualität von Menschen mit Krebs in klinischen Studien und in der Versorgung verlässlich berücksichtigt werden kann.
Verstehen, wie Lymphome entstehen
Am Standort Greifswald untersucht die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dr. Sandrine Sander zelluläre und molekulare Mechanismen, die an der Entstehung von Lymphomen beteiligt sind. Diese Krebserkrankungen gehen von Zellen des lymphatischen Systems aus, das ein wesentlicher Bestandteil der körpereigenen Immunabwehr ist.
Die Forschungsgruppe befasst sich insbesondere mit den Vorgängen in sogenannten Keimzentren, in denen Immunzellen heranreifen und sich weiterentwickeln. Fehler in diesen fein abgestimmten Prozessen können zur Entstehung bestimmter Lymphome beitragen.
Mithilfe genetisch definierter In-vivo-Modelle können die Forschenden einzelne Veränderungen gezielt nachvollziehen und die Entstehung der Erkrankung detailliert untersuchen. Moderne Methoden der Molekularbiologie und Immunologie helfen dabei, die beteiligten Mechanismen zu charakterisieren. Aus diesem Wissen sollen langfristig neue therapeutische Ansatzpunkte entwickelt werden. Gleichzeitig untersucht die Arbeitsgruppe, wie sich die Immunantwort gezielt stärken und für die Behandlung oder Vorbeugung von Erkrankungen nutzbar machen lässt.
Leukämie Schritt für Schritt nachbilden
Auch die Professur von Prof. Dr. Dr. Adrian Schwarzer am Standort Greifswald erforscht die Entstehung von Krebserkrankungen des blutbildenden Systems. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Faktoren zusammenkommen müssen, damit aus einer gesunden Blutstammzelle eine Leukämiezelle entsteht.
Leukämien entstehen in der Regel nicht durch eine einzelne genetische Veränderung. Mehrere Veränderungen müssen zusammenspielen und teilweise in einer bestimmten Reihenfolge auftreten. Die Arbeitsgruppe versucht deshalb, diese Entwicklung mit modernen genetischen Verfahren Schritt für Schritt nachzubilden. Dafür kombiniert das Team unter anderem Bioinformatik, CRISPR-Cas9-Verfahren und Einzelzellanalysen. Auf diese Weise entstehen Modelle, die die Vielfalt und Veränderlichkeit von Leukämien möglichst genau abbilden. Anschließend können die Forschenden systematisch untersuchen, welche genetischen Abhängigkeiten die Krebszellen aufweisen.
Solche Abhängigkeiten können neue Angriffspunkte für Therapien sichtbar machen. Langfristig soll dieses Wissen dazu beitragen, Behandlungen gezielter auf die biologischen Eigenschaften einer Erkrankung auszurichten, ihre Wirksamkeit zu verbessern und vermeidbare Nebenwirkungen zu reduzieren.
Von den Mechanismen bis zum Leben mit der Erkrankung
Die drei Forschungsbereiche setzen an unterschiedlichen Punkten an. Die Arbeitsgruppen von Sandrine Sander und Adrian Schwarzer untersuchen, wie Krebserkrankungen auf zellulärer und genetischer Ebene entstehen und wo neue Behandlungen ansetzen könnten. Susanne Singer richtet den Blick darauf, wie Erkrankung und Therapie von den Betroffenen erlebt werden und wie sich ihre Lebensqualität verbessern lässt.
Gemeinsam zeigen diese Ansätze die Bandbreite moderner Krebsforschung: Sie will Krankheitsmechanismen verstehen, neue therapeutische Möglichkeiten erschließen und zugleich sicherstellen, dass Fortschritte den Patientinnen und Patienten auch tatsächlich helfen.
Das CCC-MV führt diese Perspektiven in einem standortübergreifenden Forschungs- und Versorgungsnetzwerk zusammen. Regional verankert und national wie international vernetzt entwickelt es die Krebsmedizin in Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit Forschenden, medizinischem Personal sowie Patientinnen und Patienten weiter.
Weitere Informationen zu den profilschärfenden Professuren des CCC-MV finden Sie hier: https://ccc-mv.de/forschung/schwerpunktprofessur
Alle Hintergründe zum World Cancer Research Day hier: https://worldcancerresearchday.com/
Kontakt
Dr. Christian Taszarek
Wissenschaftskommunikation
Comprehensive Cancer Center Mecklenburg-Vorpommern
Universitätsmedizin Rostock
Tel.: +49 381 494-45815
E-Mail: christian.taszarek@ccc-mv.de